Dr.Hauschka Kosmetik
seit 1967

„Seit Ihrem Brief liebe ich Sie.“

So könnte eine Liebesgeschichte beginnen. Dieser an Elisabeth Sigmund gerichtete Ausspruch von Dr. Rudolf Hauschka markierte stattdessen den Beginn der Dr.Hauschka Kosmetik. Man schrieb das Jahr 1962.

Dr. Rudolf Hauschka, Gründer der WALA, war ein Visionär mit vielseitigen Ideen. Jahrzehnte bevor es die Dr.Hauschka Kosmetik gab, hatte er bereits die Vorstellung einer Kosmetik, die das Arzneimittel-Sortiment ergänzen solle – quasi eine Erweiterung der Präparate zur Hautbehandlung. Denn als grösstes Organ des Menschen brauche die Haut nicht nur in bestimmten Fällen therapeutische Hilfe, sondern zuallererst gesund erhaltende Pflege. Bis die Dr.Hauschka Kosmetik 1967 das Licht der Welt erblickte, gingen nach der WALA Gründung 1935 noch mehr als drei Jahrzehnte ins Land. Die WALA wuchs und entwickelte zunächst ein breites Arzneimittel-Sortiment, das auf Hauschkas einmaligem rhythmischem Verfahren der Pflanzenextraktion beruhte.

Dann war da eine dieser Fügungen, die Menschen mit ihren Ideen zusammenbringt. Rudolf Hauschka auf der einen, Elisabeth Sigmund auf der anderen Seite.Beide stammten aus Wien und trafen sich in einem kleinen Ort nahe Stuttgart: Eckwälden.

Wien - Stockholm - Eckwälden

Die Kosmetologin Elisabeth Sigmund bestellte seit einiger Zeit bei der WALA Zubereitungen für ihre Kosmetik, die sie damals in Stockholm für das eigene Kosmetikstudio herstellte. Sie hatte ganz auf die Kraft der Natursubstanzen, besonders der Heilpflanzen gesetzt und eine Kosmetik erdacht, die die Haut in ihrer Eigenaktivität unterstützt.

Rudolf Hauschka hatte wohl davon erfahren, dass eine Kosmetikerin in der WALA Arzneimittel bestellte. Etwas musste ihn gedrängt haben, an diese Frau in Schweden zu schreiben, weil ihn seine Idee einer Kosmetik, die zu den WALA Arzneimitteln passt, nicht losliess.

Elisabeth Sigmund erhielt 1962 einen Brief aus Eckwälden. Sie kannte bereits die WALA, weil sie einmal mit ihrem Mann während eines Sommerurlaubs die damals kleine Firma in Süddeutschland besucht hatte. Die Arzneimittel von dort hatten dem verletzten Knie ihres Mannes so gut geholfen. Sie war überrascht über diesen Brief von der WALA, in dem Rudolf Hauschka sie nach kosmetischen Ideen befragte. Sie freute sich aber auch und antwortete sogleich ausführlich.

„Seit Ihrem Brief liebe ich Sie.“ So können vielleicht nur Wiener miteinander parlieren. Das aber war Rudolf Hauschkas Antwort auf Elisabeth Sigmunds ideenreichen Brief. Er lud sie nach Eckwälden ein.

Sommer 1963: Mehrere Ärzte, WALA Mitarbeiter und Elisabeth Sigmund trafen sich ein Wochenende lang und redeten über Frau Sigmunds Rezepturvorschläge für eine Kosmetikserie, die das Sortiment der WALA ergänzen sollte. Es ging um Produkte zur Gesichts- und Körperpflege. Man tauschte sich über die Rezepturen aus und diskutierte über die passenden Heilpflanzen.

„Wir haben quasi von Anfang an im Team gearbeitet, obwohl das eigentlich erst viel später modern wurde.“

Karl Kossmann, 80, ehemaliger Geschäftsführer der WALA und Mitbegründer der WALA Stiftung

Am 9. Januar 1964 wurde es zum offiziellen Beschluss. Es sollte eine Gesichtskosmetik entwickelt werden, im Sinne einer Ganzheitskosmetik, die das Sortiment der WALA ergänzte. Die Gesellschafter der WALA, Dr. Rudolf Hauschka, Dr.med. Margarethe Hauschka, Max Kaphahn und Maja Mewes, waren sich da einig. Wenige Monate später, im Mai 1964, stiess der Chemiker Dr. Reinhard Schoppmann als neuer Mitarbeiter zur WALA, im Oktober desselben Jahres Johannes Roth-Bernstein. Zusammen mit dem Apotheker Rudolf Plantener war die Entwicklungsgruppe komplett.

„Natürlich haben wir uns wie Rebellen gefühlt, als wir diese unkonventionelle Kosmetik entwickelten.“

Elisabeth Sigmund, 93, Begründerin der Dr.Hauschka Kosmetik

Der Sommer 1964 war am intensivsten. Elisabeth Sigmund kam für mehrere Wochen von Stockholm nach Eckwälden und arbeitete mit dem Entwickler Schoppmann und dem Herstellungsleiter Plantener. Die drei optimierten Frau Sigmunds Rezepturen. In Stockholm hatte sie für ihre Kundinnen immer nur kleine Mengen der Gesichtspflegeprodukte angerührt. Es ging nun darum, die Produkte in grossen Mengen herstellen zu können. Dazu mussten die Stabilität und die Haltbarkeit der Cremes angepasst werden. Zusammen mit dem Praktiker Roth-Bernstein fanden sie Lösungen für Cremegrundlagen, die ohne chemisch-synthetische Emulgatoren stabil waren. Sie arbeiteten an den Duftmischungen, für die sie natürliche ätherische Öle aus Frankreich besorgten. Denn Eines war unausgesprochen für alle selbstverständlich: Es ging darum, eine Naturkosmetik zu entwickeln und dabei die natürlichen Rhythmen einzubinden, die bereits bei der Arzneimittel-Herstellung die Grundlage bildeten.

„Die WALA war kein Job, sondern eine Lebensaufgabe.“

Dr. Reinhard Schoppmann, 76, Mitentwickler der Dr.Hauschka Kosmetik

„Lebendige Kraft pulsiert im Rhythmus, sie „beflügelt“ jede Arbeit. das ist mein Erfahrungsgut aus der langjährigen WALA Mitarbeit.“

Rudolf Plantener, 80, in den 1960ern Herstellungsleiter

Als Frau Sigmund wieder zurück in Stockholm war, stellten Roth-Bernstein, Schoppmann und Plantener in Eckwälden Proben der neuen Rezepturen her. Per Post gingen sie nach Stockholm, wo Elisabeth Sigmund sie an ihren Kundinnen ausprobierte. In Briefen gab sie Rückmeldung, was sie noch verbessern würde, was ihr gefiel. So ging es hin und her. Bis die Entwicklergruppe zufrieden war. Dann mussten die neuen Kosmetikprodukte noch Haltbarkeitstests und das Urteil von Maja Mewes bestehen. Die Geburtsstunde der Dr.Hauschka Kosmetik war gekommen.

Kosmetik auf Reisen

Ideen gehören realisiert. Und sie gehören in der Welt verbreitet. Nun hatte die WALA 1967 eine frisch entwickelte Gesichtskosmetik und stand vor der Frage der Vermarktung. Man schrieb an die damals etwa 12 000 Apotheken in Deutschland und bot ihnen das jüngste Kind der WALA an. Drei bis vier Antworten mit der Zusage, das neue Produkt in das Apothekensortiment zu übernehmen, weckte die Eckwäldener auf. Es musste etwas anderes passieren. Gotthard Jacob brach daraufhin als erster Aussendienstmitarbeiter der WALA im Fiat 850 auf und besuchte die Apotheken persönlich. Auch auf Messen und Kongressen für Ärzte stellte Jacob zusammen mit weiteren Mitarbeitern das ganze Präparatespektrum der WALA vor. Für die Ärzte zogen sie das Thema Akne als Überleitung zur Kosmetik heran. Jacobs Frau Lotti, die für diese Arbeit extra eine Ausbildung zur Kosmetikerin machte, zeigte den Ärzte-Gattinnen die neue Linie. Langsam aber stetig erlangte die Kosmetikserie der WALA Bekanntheit.

„Alle haben bei allem in der WALA mitgemacht: Ab 3.00 Uhr morgens ging es bei Bedarf zum Ernten, danach haben wir oft bis spät abends gearbeitet. Zwischendurch haben wir eine Warenlieferung mit ausgepackt, wenn Not am Mann war.“

Gotthard Jacob, 79, der erste Aussendienstler

Kunst der Berührung

Anneliese Horn wollte bereits als Jugendliche etwas mit Kosmetik machen. 1970, nach der Elternzeit entschied sich die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin deshalb für eine Kosmetikerinnen-Ausbildung in ihrer Heimatstadt Stuttgart. Nach der mehrmonatigen Ausbildung, bei der die Elevinnen mit verschiedenen konventionellen Kosmetika behandelten, hatten indes alle Kursteilnehmerinnen geschädigte Haut mit Akne, Pickeln, Trockenheiten. Frau Horn verliess den Kurs mit schuppenden Hautrötungen, einer Rosacea. Zum Glück hatte die Arbeit des Ehepaars Jacob schon Früchte getragen. Denn Frau Horns anthroposophischer Hausarzt kannte die neue „WALA“-Kosmetik bereits und empfahl sie seiner extrem unglücklichen und verunsicherten Patientin. Anneliese Horn schrieb an die WALA und wurde zu Frau Sigmund gebracht, die mittlerweile nach Eckwälden umgezogen war. Elisabeth Sigmund lehnte zuerst ab, eine Kosmetikbehandlung zu lehren, aus Sorge, die Schülerinnen könnten das Gelernte falsch anwenden. Nach einigen Monaten Bedenkzeit stimmte sie dann doch zu und bildete Frau Horn im Januar und Februar 1971 über mehrere Wochen im Einzelunterricht aus: zur ersten Dr.Hauschka Naturkosmetikerin.

„Als ich Elisabeth Sigmund und die Dr.Hauschka Kosmetik kennen lernte, hatte ich das eindeutige Gefühl, endlich auf dem richtigen Weg zu sein! Ich verehre Frau Sigmund noch heute.“

Anneliese Horn, 76, die erste ausgebildete Dr.Hauschka Naturkosmetikerin

Handarbeit und Maschinenkraft

Der Wandel von einem kleinen Betrieb zu einem mittelständischen Unternehmen bedeutet auch, dass Arbeitsprozesse und –strukturen überprüft und verändert werden müssen. Die WALA hatte sich die Handarbeit in allen Arbeitsschritten auf die Fahne geschrieben. Zum Beispiel rührten die Mitarbeiter der Herstellung mit einem grossen Holzpistill die Zutaten der Gesichtswaschcreme in Emaille-Schüsseln zu einer homogenen Masse. In der ersten Zeit stellten die drei bis vier Mitarbeiter der Herstellung bei einem Produktionslauf zehn Kilogramm Gesichtswaschcreme her – für 200 Tuben. Über vier Wochen regelmässig handgerührtes Gesichtswasser füllten sie mithilfe eines Metalltrichters in Glasflaschen ab.

Nun wollten in den 1970er Jahren immer mehr Menschen die neue Kosmetik kaufen. Elfriede Blutbacher erhielt im Kundenservice täglich etwa 100 Anrufe von Apotheken, Pharma-Grosshändlern, Reformhäusern, Bioläden und Dr.Hauschka Naturkosmetikerinnen, die Ware bestellten. Es kamen zusätzlich Briefe und Telexe. Mit Handarbeit war diese Nachfrage nicht mehr zu bedienen. Also mussten Maschinen her. Reinhard Schoppmann schaffte eine Tubenabfüllmaschine an. Ein Mitarbeiter stellte die leeren Tuben in die Maschine, die diese dann abfüllte und zufalzte. Elektrische Rührer für die Cremes und Etikettiermaschinen für die Flaschen folgten. Die Maschinen entlasteten die Mitarbeiter und halfen, die Produktionsmengen zu erhöhen.

Treffpunkt der Welt

Es sprach sich herum, dass in Eckwälden etwas Besonderes passierte. Rolf Bucher, seit 1982 Gärtner bei der WALA, erhielt in den 1980ern Bewerbungen von vielen Enthusiasten aus ganz Deutschland und dem Ausland – von Kanada bis Australien und Südafrika –, die im WALA Heilpflanzengarten arbeiten wollten. Die Handarbeit bleibt bis heute an diesem Ort bewahrt – genauso wie bei der Frischpflanzenverarbeitung und dem Potenzieren – und ist wichtiger Grundstein der Qualität, die WALA Arzneimittel und Dr.Hauschka Kosmetik ausmacht.

Für die Herstellung der Präparate kommen Heilpflanzen aus Vertragsanbau der Umgebung und aus Projekten in sozialschwachen Ländern hinzu, denen die WALA dabei gleichzeitig finanziell auf die Beine hilft. So stammt das ätherische Rosenöl in der Rosencreme etwa aus Bulgarien oder dem Iran, die Sheabutter wiederum aus dem afrikanischen Burkina Faso.

Erwachen aus dem Schönheitsschlaf

War das veränderte Erscheinungsbild der Auslöser? Oder war es Mund-zu-Mund-Propaganda? In den 1990ern hatte die Dr.Hauschka Kosmetik ihren grossen Durchbruch. Es war Zeit, aus dem Schönheitsschlaf im verträumten Eckwälden zu erwachen. Bühne auf für die Naturkosmetik, die ihren Zug um die Welt antreten wollte! 1997 entschied Katharina Hahlhege, damals Marketingleiterin der WALA, dass die Kosmetikserie eine grundsätzliche Überarbeitung nötig habe. Die Farben auf der Verpackung leuchten seitdem freundlicher, Dosierspender machen die Anwendung vieler Präparate zeitgemässer – bei gleich bleibender Rezeptur. Moderne Werbebroschüren und der erste eigene Internetauftritt erzählten von den Besonderheiten der Dr.Hauschka Kosmetik. Die Kontaktaufnahme zu den Medien führte zu ersten Berichten in Zeitschriften. Die Öffentlichkeit begann, das mittelständische Unternehmen in Süddeutschland und seine Naturkosmetik mit ungewöhnlichem Ansatz wahrzunehmen.

„Mit dem Redesign der Dr.Hauschka Kosmetik haben wir die innere Substanz der Präparate nach Aussen hin sichtbar gemacht.“

Katharina Hahlhege, 52, Ressortleiterin Marketing & Vetrieb

Mit dem wiederkehrenden Bewusstsein für die Natur stieg gleichzeitig das Interesse an Naturkosmetik. Heute durchziehen die farbigen Banderolen der Dr.Hauschka Kosmetik die Regale in mehr als 40 Ländern quer durch die Kontinente: vom Bioladen in San Francisco bis hin zum Edel-Kaufhaus in Singapur, der Apotheke in Helsinki oder dem Sandylane Spa Resort auf Barbados. Oder: von Eckwälden aus in die ganze Welt. Was sich indes seit 40 Jahren nicht geändert hat, ist die Qualität: Trotz immer grösser werdender Produktionsmengen bleibt sie die ureigenste Selbstverständlichkeit der Dr.Hauschka Kosmetik.